SEAcamp 2014: Erfahrungsaustausch in ungezwungener Atmosphäre

Nach der erfolgreichen Premiere im vergangen Jahr kamen am Donnerstag wieder zahlreiche SEM/SEA-Verantwortliche aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nach Jena, um sich über verschiedene Aspekte des Suchmaschinenmarketings auszutauschen. Das Spektrum reichte von AdWords-Kampagnen-Insights über Test-Szenarios und Google Analytics-Berichte bis zu YouTube-Anzeigen. Überhaupt konzentrierte sich alles auf Google’s Performance-Platform(en). Schade, daß ein kompetenter Ansprechpartner für Product Management aus dem Hause Google fehlte, um über jüngste oder geplante Neuerungen zu informieren. Andere Anbieter für bezahlte Suchwerbung – Yahoo! Bing, Yandex, Baidu, Seznam – spielten in den Sessions keine Rolle.

Im Vergleich zum Vorjahr war das Niveau der Vorträge etwas niedriger, dafür die Diskussionen während der Sessions oder in den Pausen spontaner und intensiver. Unterschiedliche Herangehens- und Denkweisen im Kampagnenmanagement bleiben charakteristisch für das Suchmaschinenmarketing. Die Organisatoren sind sehr um den fachlichen Austausch „auf Augenhöhe“ bemüht und so fehlte der auf anderen Online Marketing Veranstaltungen übliche Starrummel.

Highlights gab es trotzdem! Martin Röttgerding, Bloofusion berichtete über Erstaunliches aus dem Such-Werbenetzwerk. Er klärte nicht nur über die Herkunft „seltsamer Kategorie-Baum-Suchbegriffe“ in den Suchbegriffsberichten auf, sondern zeigte auch wie diese für ein gezieltes Keyword Targeting auf ebay und Amazon eingesetzt werden können. Die Ergebnisse seiner Fallbeispiele am Rande des Machbaren in AdWords: 15% bis 50% höherer ROI, aber Umsatzsteigerungen von gerade mal 1% bis 2% im Vergleich zu Kampagnen auf google.de.

Thomas Grübel, InBiz-Betreiber und einer der SEAcamp-Initiatoren begeisterte abermals mit live vorgeführten Scripting-Kunststücken. Seinen Appell, das vielfältige Automatisierungspotenzial beim Kampagnenmanagement zu nutzen, beschräkte er nicht auf den Einsatz von Microsoft Excel Macros, sondern spannte den Bogen bis in die Möglichkeiten der Google-Welt. Hier stehen mit AdWords Scripts, AWQL, Google Docs, App Scripts und Google Sites leistungsfähige Werkzeuge für das Exportieren, Importieren, Modifizieren und Darstellen von AdWords-Daten zur Verfügung.

Nicht nur technische auch juristische Fragestellungen konnten die SEAcamp-Teilnehmer begeistern. Peter Hense, Spirit Legal LLP, gab wichtige Denkanstösse bei der Bewertung von Haftungsrisiken infolge von Marken- oder Wettbewerbsrechtsverletzungen. Deutlich räumte er mit dem weit verbreiteten Mythos auf, die Nicht-Rechtmäßigkeit beim Verwenden fremder Marken-Begriffe betrifft nur die Anzeige und nicht das Keyword.

Der Erfolg der Veranstaltung gibt den Machern des SEAcamps recht. Trotz steigender Nachfrage soll die Veranstaltung im aktuellen Rahmen bleiben. Wer sich im kommenden Jahr ein Ticket sichern möchte, sollte früh buchen, oder mit einem eigenen Session-Beitrag die Veranstaltung bereichern. Das garantiert dann auch die Teilnahme.

SMX 2014 in München: AdWords-Kampagnen effektiver managen

Neben den jüngsten AdWords-Neuerungen bei Anzeigenerweiterungen, Product Listing Ads (PLAs) oder beim Targeting dominierten Effizienz- und Analyse-Themen die SEA-Panels der diesjähren SMX in München. Vor dem Hintergrund immer größerer Möglichkeiten unter dem Dach von Google AdWords, bei gleichzeitig steigendem Wettbewerbsdruck im e-Commerce, ein gut gewählter Focus. Die passende Keynote „Die drei wichtigsten Gewohnheiten der effektivsten Online Marketer“ hielt Frederick Vallaeys, Ex-Google-AdWords-Evangelist und Gründer der Firma Optmyzr, die sich der einfacheren Kampagnen-Analyse und -Optimierung jenseits der gängigen Bid Management-Lösungen verschriebenen hat.

Die wenigsten Kampagnen-Manager sind versierte Programmierer. Dagegen ist oft Microsoft Excel das Werkzeug erster Wahl. Hier setzte der Konferenzbeitrag „Mit Excel in die Zukunft blicken – Predictive Analytics für alle“ an. Sehr anschaulich demonstrierte das Tandem Tobias Aubele / Prof. Dr. Mario Fischer das Scrapen AdWords-externer Datenquellen. Keywords aus Google Suggest, Preise aus Amazon, Wetterdaten aus OpenWeatherMap, Ortskoordinaten der Website-Besucher aus Google Analytics – die Funktion XPathOnURL der Excel-Erweiterung „Seo Tools for Excel“ lädt die Daten einfach in ein Arbeitsblatt. Zu Grunde liegt die Abfragesprache XPath, die das Adressieren von Inhalten in struktieren Dokumenten wie XML und HTML erlaubt. Sind die gewünschten externen Informationen geladen, können daraus Kampagnen-Setups, Performance-Analysen oder sorgar Umsatz-Vorhersagen erstellt werden.

Auch Dr. Andreas Stadies Beitrag „rvn – 2/v1-r² = ???? – Statistik und Daten-Analysen für Marketer“ basierte auf Excel-Funktionen, um den Zuhörern die Problematik „Relevanz“ von Kampagnen-Auswertungen und Testergebnissen näherzubringen. Erfahrungsgemäß werden viele Entscheidungen, ohne Rücksicht auf ausreichende Fallzahlen getroffen. Ganz ohne SEM-Brille veranschaulichte der Mathematiker an dem vereinfachten Szenario „Keyword abschalten oder nicht?“ Begriffe wie Signifikanz und Unsicherheit.

Auf das große Effizienzpotenziel innerhalb des AdWords-System wurde im Beitrag „Automatisierungs- und Optimierungsroutinen für den erfahrenen SEA Experten“ verwiesen. Ausgangspunkt sollten laut Brad Geddes, Certified Knowledge, manuelle Änderungen sein, die in Flowchart festgehalten und erst dann per „Automated Rules“ in AdWords automatisiert werden sollten. Dabei ging er ebenfalls auf die im Konto zur Verfügung stehenden Gebotsstrategien ein, die von Google kürzlich um „Return On Ad Spend“, ROAS erweitert wurde.

Im zweiten Teil der Session wies Frederick Vallaeys, neben der Keynote auch an zwei Konferenzbeiträgen beteiligt, auf zwei aus seiner Sicht wichtige Argumente für Automatisierung: mehr Zeit für abwechlungsreiche, interessante Tätigkeiten und weniger Fehler durch Unkonzentriertheit. Seine Empfehlung: die unbegrenzten Möglichkeiten durch AdWords Scripts nutzen! Durch die direkte Anbindung an Google Docs, insbesondere Docs Spreadsheets, können z.B. Kampagnen-Daten zur weiteren Aufbereitung nicht nur exportiert, sondern auch externe Daten mit AdWords-Kampagnen verknüpft werden. Die entsprechende xPath-Funktion gibt es bereits in AdWords Scripts: ImportXML.